Soviel zum Thema Freundlichkeit!

Nun ist der Monat März rum, und somit auch die März-Challenge mit dem Thema Freundlichkeit. Wer auch immer sich in diesem Monat bemüht hat, besonders freundlich zu sein, hat aufjedenfall nichts verloren, sondern nur gewonnen- zumindest nämlich hat er seine gute Laune zu behalten, auch wenn das Umfeld noch so griesgrämig drein schaut!

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Im Folgenden möchte ich euch ein paar meiner Erlebnisse schildern, die ich auf dem Weg zu mehr Freundlichkeit durchlebte.

Szene 1: Alte Menschen grüßen

Es ist ein Paradox unserer westlichen Gesellschaft, dass sich kaum jemand noch wirklich etwas aus alten Menschen macht, während die Menschen an sich immer älter werden. Jeder geht einfach seines Weges, und alte Menschen vereinsamen häufig.

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Demographischer Wandel: In Zukunft wird es laut Wissenschalftlern immer weniger Junge, dafür immer mehr alte Menschen geben.

Deswegen war es mir ein besonderes Anliegen, besonders auch diese Schicht stets nett zu grüßen. Vielleicht nicht direkt die Oma auf der anderen Straßenseite, aber doch diejenige, die mir begegnet und in die Augen schaut.

Eines schönen März-Tages war ich mit meinen Kindern auf dem Weg unsere Nachbarin zu besuchen. Mein Sohn rannte ein gutes Stück vor, genau einem alten Mann mit Rollator in die Arme…ähm eher gesagt, gerade so an ihm vorbei. Ganz automatisch grüßte mein Sohn ihn (ich erwähnte ja bereits, dass meine Kids immer noch ETWAS Schweizerisch beeinflusst sind 😉 ). Kurz darauf kamen meine Tochter und ich mit dem alten Mann auf Augenhöhe. „Hallo!“ kam es direkt aus meiner Tochter heraus, und auch ich grüßte ihn freundlich.

Was tat der alte Mann? Er grüßte etwas verdutzt zurück, blieb stehen und schaute uns sogar noch eine ganze Weile verwundert nach.

Was so ein freundlicher Gruß alles bewirken kann! Dachte ich mir.

 

Szene 2: Wartezimmer

Ich muss sagen, dass ich Situationen in Wartezimmern am meißten hasse. Sich mit fremden Leuten so eng gegenüber zu sitzen mit Leuten, ohne, dass jemand den Mund aufmacht- einfach eine beklemmende Situation!

Diesmal achtete ich allerdings noch mehr auf die Reaktionen der Leute. Wenn sie eine (deutsche) bedeckte Muslima sehen, geht ihr Stimmungsbarometer sichtlich nach unten. In diese Situation dann freundlich „Halloooo!“ zu rufen, wirkt beinahe schon wie ein Clown auf einer Beerdigung…!

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Beim ersten Besuch bei meiner neuen Hausärztin machte ich dann auch direkt die Erfahrung, nicht zurück gegrüßt zu werden. Der alte Herr wurde bloß hoch rot im Gesicht und brachte kein Wort über die Lippen. Da half mir mein Deutsch-Sein also auch nicht mehr- mein Tuch war wie ein roter Fetzen für einen Stier.

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Okay, Schwamm drüber. Neuer Arzt, neues Glück. Eines anderen März-Tages musste ich mich in ein wirklich volles und überaus enges Wartezimmer begeben. Typisch eben für eine Orthopäden-Praxis. Ich überwand mich, ein recht freundliches Grüßen über meine Lippen in die beklemmte Situation herüber zu bringen. Ein paar antworteten sogar. Die Blicke, die danach auf mir ruhten, ließ ich allerdings an mir abschweifen. Gott sei Dank hatte ich ja mein Handy. Bloß ab und zu schaute ich freundlich in die Runde.

3. Szene: Arztbesuch

Nun ist es für Muslime unheimlich schwer, ihre Regeln in einem Land einzuhalten, in dem sie genau dafür verschmäht werden. Deswegen gibt es auch nur recht wenige, die diesem Gesellschaftlichen Druck, völlig gleich sein zu müssen, stand halten. Das betrifft natürlich die Kopfbedeckung auf der einen Seite, aber auch das Thema Hände schütteln zur Begrüßung/Abschied auf der anderen. Zur Erklärung: für Muslime ist es nicht erlaubt, die Hände des anderen Geschlechts zu schütteln (es sei denn diejenigen Verwandten, die man rein theoretisch sowieso nicht heiraten darf). Das hat so seine Gründe, die ich jetzt in diesem Artikel nicht noch ausführen möchte.

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Jedesmal macht man sich jedenfalls Gedanken, wie das Gegenüber wohl diesesmal reagiert. Was werde ich sagen…“Ich halt´s wie die Queen- ich schüttel keinen Fremden die Hand!“? Meißtens lege ich einfach nur meine rechte Hand auf´s Herz und sage lächelnd, dass es nicht persönlich gemeint sei. Mein Orthopäde jedoch war solch eine Aktion wohl garnicht gewohnt. Er hielt trotzdem seine Hand hin, und mir verschlug es irgendwie die Sprache. Kein Spruch schien mir in den Sinn zu kommen. Also verharrte ich nur, bis er irgendwie halbwegs verstand.

Nun gut, er versuchte trotzdem, freundlich zu sein. Sprach auch extra deutlich, als ob ich irgendwie Ausländerin sei. Und fragte mich dann, ob er mal mein Knie sehen könne. Ja, das musste ja sein. Zum Schluss sagte er, er würde mich zum MRT überweisen lassen, alles andere erführe ich an der Rezeption. Dann ging er einfach aus dem Raum, ohne mir Tschüss zu sagen. Hmm…war da jemand eingeschnappt? Überlegte ich.

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Szene 4: Ein Lichtblick!?

Ein Besuch im Dortmunder Berufsförderungswerk war mir dann ein Lichtblick im Auge: Überall an den Türen hing ein Plakat mit der Aufschrift „Wir geben Ihnen nicht die Hand, schenken Ihnen dafür ein Lächeln!“. Wow, dachte ich- das ist ja genau mein Motto (wenn auch aus anderen Gründen)!!! Beruhigt begrüßte ich dort den zuständigen Berater einfach nur mit einem freundlichen Gruß. Diese Hürde war also schonmal geschafft.

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Komischerweise reichte er mir zum Abschied dann doch die Hand, verstand aber recht schnell, dass ich das anders handhabe- nämlich so, wie es bei ihm an der Tür klebte. Anscheinend hatte er öfter mit „Fällen meinesgleichen“ , sprich- Muslimen, die sich nicht assimilieren möchten, zu tun. Assimilieren ist nämlich etwas anderes, als integrieren- aber das ist wieder ein anderes Thema 😉

Um euch nicht zu ermüden, geht es nun mit der lezten, sehr bewegenden Szene weiter:

Szene 5: Grenzen meiner Freundlichkeit

Ja, auch ich habe Grenzen, wenn es um Freundlichkeit geht. Leider, muss ich sagen. Aber niemand ist perfekt, wie ihr an folgendem Beispiel lesen könnt:

Ich fuhr an einem LKW, der auf meiner Fahrban stand, vorbei. Gerade, als mir noch (gefühlt) 1 Meter fehlte, um wieder auf meine Seite zu kommen, preschte ein fetter Mercedes genau vor mich. Normalerweise hätte so jemand gewartet, zumal ich schon beinahe wieder auf meiner Seite war. Dieser alte Herr jedoch wollte heute mal stur sein. Dies machte er deutlich, indem er mir mit seinen Händen zu verstehen gab, ich solle die 10 Meter zurück fahren und ihn vorbei lassen.  Und zwar genau so, wie ein Bodyguard von Präsident Putin zu den drängelden Fans das zeigen würde: mit einer bestimmenden und zugleich abwertenden Haltung.

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Da gingen bei mir sämtliche Sicherungen durch. Hochnäsigkeit und Arroganz kann ich nämlich garnicht leiden! Ich zeigte ihm trotzig die gleiche Geste: Fahr DU doch zurück!! Aber ich merkte nach ein paar Sekunden, dass es nichts brachte. Und mir fiel ein, dass er ja E I G E N T L I C H im Recht war.

Sehr verärgert über diese arrogante Art, fuhr ich die 10 Meter rückwärts. Ich sah den Mann mittleren Alters sich kaputt lachend an mir vorbei fahren. Dabei entwischte mir ein Wort, was ich sonst eigentlich nie sage- schon garnicht im Beisein meiner Kinder: „Blödmann!“

Daraufhin meinte mein 6-jähriger Sohn ganz entrüstet: „Aber Mama, Allah möchte doch, dass wir den Leuten helfen- also dürfen wir sie auch nicht beschimpfen!“!!!

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Das saß! Ich war so fertig mit meinen Nerven. Jetzt wurde ich auch noch von meinem Sohn gerügt!! Dem konnte ich nichts mehr entgegensetzen, denn mein Sohn hatte Recht. Mein Verhalten war so etwas von konträr zu dem Benehmen, welches unser Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) uns lehrte, als ihm folgende Frage gestellt wurde:

„Welcher Gläubige hat den vollkommendsten Glauben?“ Da antwortete er: „Derjenige mit dem besten Benehmen.“

(Tirmidhi, Hadith Nr.1162 und Abu Dawud Hadith Nr. 4683)

Die Challenge der Freundlichkeit, welche Teil meines muslimischen Glaubens ist, hatte ich in diesem Moment also nicht bestanden.

Fazit:

Alles in allem kann ich sagen, dass es sich lohnt, mehr Freundlichkeit unter die Menschen zu verbreiten. Generell habe ich nämlich die Erfahrung machen dürfen, dass eine freundliche Haltung zu einer freundlichen Ausstrahlung führt und man dementsprechend auch positive Gegenantwort bekommt.

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Ich habe allerdings auch gemerkt, dass diese Monats-Challenge nur der Anfang sein kann und sollte, den Fokus noch mehr auf diese Freundlichkeit zu setzen. Denn auch ich bin natürlich nur ein Mensch und weit entfernt davon, perfekt zu sein.

Wichtig ist für mich als Muslimin aufjedenfall, dass ich freundlich bin mit der Absicht (Niyya), dadurch noch stärker in meinem Glauben zu werden. Das könnte ein guter Ansatz sein, sich zu verbessern, in shaa Allah.

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Was habt ihr für Erfahrungen mit Freundlichkeit gemacht? Gerne dürft ihr kommentieren. Allein aus einem Akt der Freundlichkeit 😉

In diesem Sinne seid freundlichst gegrüßt,

Eure Khalisa

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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