Endlich in Rente oder: Freiheit für alles, was kommen will!

Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran, mit 66 Jahren, da kommt man erst in Schuss, mit 66 ist noch lang noch nicht Schluss!

Mit diesem Lied von Udo Jürgens und einem Blumenmeer wurde meine Mutter heute von ‚ihrer Schule‘ herzlich verabschiedet. Ihr letzter Schultag ist somit zu Ende gegangen.

In Rente. Und was nun?

Was jedoch macht man, wenn man nun anstelle der Arbeit auf einmal sooo viel Zeit hat? Endlich das machen, worauf man Lust hat? Endlich frei sein für alles, was kommen will?

Leider ist die Gesellschaft (größtenteils) genau so aufgebaut: erst lebst du, um zu arbeiten, und wenn du überhaupt so glücklich bist, das Rentenalter heile zu erreichen, hast du eventuell verlernt, richtig zu leben! Einfach das zu machen, was dir liegt und worauf du Lust hast…

Trend zu bewussterem Leben?

Immer mehr Menschen jedoch trauen sich auch schon VOR der Rente, ihre Leidenschaft zu leben, ihre Stärken in der besten Art zu nutzen. Davon zeugen die zahlreichen Coaches, die allein dafür da sind, dir dabei zu helfen, damit du deine Stärken findest und ausbaust.

Auch für meine Mutter war die Arbeit ihr Leben UND ihre Leidenschaft. Groß geworden in einer eher bescheiden lebenden Bauernfamilie als Drittälteste von 5 Geschwistern, lernte sie jedoch erst einmal, was so üblich war: sie wurde Schneiderin. Am Ende ihrer Ausbildung merkte sie jedoch, dass sie lieber mehr mit Menschen zu tun haben möchte, als nur beim kurzen Kundenkontakt. Und irgendwie war ihr diese Modewelt doch zu oberflächlich.

Bingo: Große Leidenschaft und große Liebe in einem!

Also machte sie sich auf die Suche und fand schließlich in der Französischen Schweiz ihre Leidenschaft: die Arbeit mit Menschen mit Behinderung! Nicht nur das – sie fand dort auch die Anthroposophie für sich, eine besondere Weltanschauung, die u. a. auch der Waldorf-Pädagogik zugrunde liegt. Und sie fand ihre große Liebe in Form meines Vaters, der auf verschlungenen Schicksalswegen genau zu diesem Camphill-Heim geführt wurde, wo sie gerade ihre Ausbildung machte!

Wo die Liebe hinführt…

Ganz „altmodisch“ begann ihre Liebesgeschichte damals über Briefkontakt. Daraus wurde eine inzwischen silberne Hochzeit und eine Sozialisierung der Schweizerin im Ruhrpott. Dort ist nämlich eine „Hochburg“ der Anthroposophen und somit auch ihre geliebte Schule.

Man kann also sagen, sie lebte ihre Leidenschaft! Bloß dass sie daneben auch noch 2 Kinder bekam und mit ihnen all das, was so ein Mutterherz tragen muss. Das war manchmal schon eine Wahnsinns-Herausforderung, die nicht ohne Spuren an ihr vorbei ging. Trotzdem gab sie nie auf und meisterte Privat- und Arbeitswelt vorbildhaft.

Später war meine Mutter selbst für mich da, als ich meine 2 Kinder bekam. Wie keine andere kümmerte sie sich um ihre Enkel.

In Zukunft… nur das Beste (in shaa Allah)!

Ich bin gespannt, was sie nun aus ihrem neuen Lebensabschnitt machen wird. Gut für sie ist es wohl, dass ihre Enkel zurzeit in Deutschland wohnen. Das bringt immer Beschäftigung mit sich. Gut ist aber auch, dass wir (ihre Enkel und ich) nun unser eigenes Heim haben – so kann sie sich aussuchen, wann, wie und mit wem sie ihre wertvolle Zeit verbringen möchte. Ihre Schule wird sie auch nicht ganz sein lassen – einmal in der Woche wird sie noch den Sportunterricht mit ihren Schülern machen. Wie ich sie kenne, wird sie dafür eine Stunde auf den Drahtesel steigen, um ja nicht zu verrosten 😉

Auf jeden Fall wünsche ich ihr, dass sie das Leben noch eine gute Weile genießen kann, ohne unter Druck zu stehen, jetzt dies und jenes machen zu müssen. Und ich danke ihr, dass sie die beste Mama und Großmama ist, die man sich vorstellen kann!!! Sie ist in meinen Gebeten *love*

Was können wir für uns daraus lernen?

Wir können aus der Geschichte meiner Mutter lernen, dass es wichtig ist, nicht auf die Rente zu warten, bevor man seine Leidenschaft lebt! Warum nicht direkt damit anfangen, wofür man brennt? Warum erst auf die Rente hoffen?

Auch für sie war es sicher nicht einfach, bei ihren eher einfach gestrickten Eltern mit einem Deutschen „anzutanzen“, der dazu noch Musiker war und mit ihr einer für sie fremden Glaubenslehre folgte. Doch sie ging ihren Weg.

Genauso haben mich meine Eltern immer auf meinem eher ungewöhnlichen Weg begleitet und zu mir gestanden, was ich ihnen niemals vergessen werde.

Und die Moral von der Geschicht´: vergiss deine Mutter nicht! (Der war gut, nicht wahr :-D) Und lebe dein Leben so, wie du deinem Schöpfer am besten dienen kannst! Dies kannst du eben am besten, wenn du die Potentiale, die Er dir mitgegeben hat, auch auslebst. Dadurch wirst du auch der Menschheit am nützlichsten und es kommt irgendwann wieder zurück zu dir, in shaa Allah! Bloß warte nicht damit bis zur Rente 😉

In diesem Sinne liebe Grüße wa Salam,

Eure Khalisa

PS:
Auch wenn Deine Mama vielleicht nicht immer in jeder Situation die Beste war, versuch ihr trotzdem öfter eine Freude zu machen. Das, was Mütter wegen uns auf sich genommen haben, können wir ohnehin niemals vergelten. Auch Mütter sind „nur“ Menschen, also tu, was du kannst, um sie ein Stückchen glücklicher zu machen 😉

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